Elefantentreffen 2026: Als Tagesgast mittendrin – und trotzdem voll getroffen
Ich bin 2026 zum Elefantentreffen gefahren mit dem Gedanken: Ich schau mir das mal an.
Was ich bekommen habe, war viel mehr als „ein Treffen“. Es war eine eigene Welt – rau, herzlich, laut, leise, chaotisch und gleichzeitig erstaunlich vertraut.
Wichtig vorweg: Ich habe nicht vor Ort übernachtet. Ich war als Tagesgast da – und trotzdem habe ich die Stimmung, die Menschen und diese besondere Energie so intensiv erlebt, dass ich noch Tage danach daran gedacht habe. Insgesamt waren es 3.170 Teilnehmende und 825 Tagesgäste – und genau dieses Zusammenspiel spürt man: manche leben dort tagelang, andere kommen nur für ein paar Stunden… aber alle hängen irgendwie zusammen.





Der Name: Warum „Elefant“?
Der Name hat nichts mit dem Tier zu tun, sondern mit Motorradgeschichte: In den 1950ern trug die Zündapp Zündapp KS 601 den Spitznamen „Grüner Elefant“. Und aus genau dieser Szene – Winterfahrer, Gespanne, Durchhaltewillen – entwickelte sich irgendwann der Begriff „Elefantentreffen“. (Allein das sagt schon viel darüber aus, worum’s hier geht.)
Ankommen: 40 Euro, Aufkleber – und du bist drin
Am Haupteingang ist erstmal Realität: 40 Euro Eintritt. Kein großes Theater – zahlen, rein.
Direkt dort gibt’s auch die Möglichkeit, Merch mitzunehmen und natürlich den berühmten Aufkleber. Und dieser Aufkleber ist mehr als Souvenir: Er ist so eine kleine Eintrittskarte ins „Ich war wirklich da“.
Was mich sofort überrascht hat: Schon am Eingang merkt man, dass das hier nicht wie ein klassisches Festival funktioniert. Es wirkt eher wie ein riesiges, offenes Lager – nur eben mit Motorrädern, Schnee und dieser ganz eigenen Ordnung im Chaos.





Zeltplatz, Stroh, Holz: Der Aufbau ist Teil des Erlebnisses
Auch wenn ich selbst nicht übernachtet habe, sieht man sofort, wie sehr das Einrichten zum Elefantentreffen dazugehört.
Es geht nicht nur darum, irgendwo ein Zelt hinzustellen – es geht darum, sich einen kleinen, funktionierenden Platz zu schaffen:
- Stroh als Isolation gegen die Kälte von unten
- Holz für das Lagerfeuer
- ein Platz, der nicht „perfekt“ ist, aber funktioniert
- und ganz viel Improvisation, die plötzlich selbstverständlich wird
Man sieht den Leuten an: Das ist Routine – und gleichzeitig jedes Jahr wieder ein kleines Abenteuer.





Tag 1: Ich kam nicht weiter… und war genau deshalb richtig
Am ersten Tag bin ich viel im Eingangsbereich geblieben. Nicht, weil ich das wollte – sondern weil ich einfach nicht weiterkam.
Und das lag nicht an Schnee oder Schlamm. Es lag an Menschen.
Ich wurde ständig angesprochen, es ergaben sich Gespräche, ein „Komm her“, ein „Setz dich dazu“, Einladungen zum Essen oder auf ein Getränk. Jeder Meter vorwärts wurde durch eine Begegnung unterbrochen – und irgendwann habe ich aufgehört, mich dagegen zu wehren.
Ich habe jedes Gespräch genossen und war unendlich dankbar für diese Gastfreundschaft. Es gibt wenige Orte, an denen Fremde so schnell auf „wir“ schalten.





Tag 2: Als der Nebel weg war, hab ich erst verstanden, wie groß das ist
Am Folgetag hat sich der Nebel gelichtet – und da hat es mich wirklich erwischt. Ich hatte ja keine Ahnung.
Plötzlich war sichtbar, was am Vortag nur erahnbar war: die Weite, die Menge, die vielen Lager, die Bewegung überall.
Und auch wenn man hört, dass es über die Jahre weniger wurde bzw. wird: Für mich bleibt es unfassbar, wie viele Biker es in den Bayerischer Wald zieht. Gerade im Winter. Gerade wegen der Bedingungen.
Und genau da kam bei mir diese Frage auf, die ich inzwischen bei vielen Treffen im Kopf habe:
Wo ist der Nachwuchs, der diese Tradition fortsetzen wird?
Nicht vorwurfsvoll – eher nachdenklich. Weil man spürt, wie wertvoll das hier ist.





Essen: Inbiss fürs Nötigste – der Rest kommt von den Leuten
Ja, es gibt Inbissstände, die das Nötigste abdecken. Aber das eigentlich Beeindruckende passiert zwischen den Camps.
Da wird gekocht, gebraten, verteilt, probiert. Nicht geschniegelt, nicht „foodie“, sondern ehrlich gut. Und vor allem: geteilt.
Und genau dabei merkt man, wie international das Ganze ist. Man hört überall verschiedene Sprachen – Nationalitäten aus ganz Europa – und das spiegelt sich auch im Essen und in den Gesprächen wider. Diese Mischung macht das Treffen noch mal größer, ohne dass es sich unpersönlich anfühlt.






Was viele unterschätzen: Keine Dusche. Punkt.
Duschen gibt’s nicht. Kein warmes Wasser.
Back to the roots – ganz konsequent.
Aber: Zähneputzen geht immer.
Und irgendwie passt das perfekt zum Elefantentreffen: kein Luxus, kein Schnickschnack – aber das Wesentliche kriegt man hin.
Und dann die Hauptrolle: die Motorräder
Was wir viel zu oft nur nebenbei erwähnen, ist eigentlich die Hauptattraktion: die Motorräder.
So viele Marken, so viele Motorisierungen, so viele Typen – vom Oldtimer bis zum modernen Reisebike, vom Gespann bis zur Enduro, von liebevoll gebaut bis „Hauptsache fährt“.
Für Motorradliebhaber ist das ein Paradies. Für manche Außenstehende wirkt es eher wie: Wie kann man seinem Bike sowas antun?
Kälte, Dreck, Strapazen.
Aber meine Antwort ist: Sind Motorräder nicht genau dafür da?
Für gemeinsame Abenteuer. Für Geschichten. Für Momente, die man nicht im Wohnzimmer sammelt.





Wenn die Sonne untergeht, wird’s am schönsten
Auch ohne zu übernachten habe ich diese Abendstimmung mitgenommen: Sobald die Sonne runtergeht, verändert sich alles.
Es wird ruhiger – und gleichzeitig dichter. Mehr Feuer, mehr Nähe, mehr „Bleib noch kurz“.
Und dann hörst du nebenbei Geschichten, die hängen bleiben. Eine davon war so einfach und so stark:
Jemand hat hier die Liebe seines Lebens kennengelernt.
Mitten im Winter. Zwischen Rauch, Frost und einem „Setz dich dazu“. Das sagt alles über diesen Ort.






Abreise: Wehmut, Warmbett-Gedanken – und die letzte Sorge
Am Samstag – eigentlich vorletzter Tag – reisen viele schon ab. Verständlich: Manche sind hunderte Kilometer angereist und haben eine mehrtägige Rückreise vor sich.
Abbauen, aufräumen, Motorrad packen, Gelände verlassen, Leb wohl sagen – bis zum nächsten Jahr.
Man spürt Wehmut. Und gleichzeitig diese ehrliche Vorfreude auf ein warmes Bett zu Hause.
Und dann ist da noch dieser letzte kleine Nervenkitzel, den jeder kennt:
Bitte spring an.
Nach Tagen in der Kälte ist das der Moment, in dem kurz alles still wird – bis der Motor läuft.
Mein Fazit
Ich war nicht als Camper dort. Ich war Tagesgast.
Aber ich habe selten einen Ort erlebt, der so schnell so viel auslöst.
Das Elefantentreffen ist hart – und gleichzeitig unfassbar herzlich.
Und genau diese Mischung macht es für mich so besonders.
Bis zum nächsten Mal. 🏍️🔥


Schreibe einen Kommentar